Krankenkassen mit vielen Wünschen
Neue Kooperationsformen finden Anklang bei medizinischen Fachgesellschaften
Krankenkassen mit vielen Wünschen
Aber was wollen die Kassen? Noch mehr Preisdruck auf die Industrie ausüben – teils zum Nachteil ihrer Versicherten?
Der Versicherte hat hier wenig Einblick und bleibt bei den Berliner Entscheidungen außen vor. Erfreulich ist, dass sich die Entscheidungsträger ernsthaft Gedanken um ihre Patienten machen.
Dies zeigt die „Lübecker Studie“ der Firma health-activate aus Lübeck. Hierzu wurden zahlreiche Entscheidungsträger der Krankenkassen interviewt. Die Ergebnisse im Überblick:
Die Kassen wünschen sich von der pharmazeutischen Industrie Konzepte zur Versicherten Compliance, zur besseren Patientenversorgung und zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Gerade die Therapietreue der Patienten ist nach Ansicht der Studie in den Fokus der Krankenkassen gerückt.
Dies ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für bürgerorientiertes Versorgungsmanagement (DGbV e.V. sehr erfreulich, so der Präsident der Gesellschaft Dr. John N. Weatherly. Die Therapietreue und das Selbstmanagement der Patienten muss nachhaltig gestärkt werden. Nur so lässt sich erreichen, dass chronisch kranke Patienten ihre Medikamente regelmäßig einnehmen. Die daraus resultierenden Folgekosten wie vermeidbare Klinikaufenthalte, Fehlzeiten und vorzeitige Verrentungen beziffern Experten auf 15 bis 20 Milliarden Euro im Jahr.
Weiterhin können sich die Krankenkassen vorstellen Impulse von der pharmazeutischen Industrie über Verbände und Gremien zu erhalten. Die Umsetzbarkeit von Versorgungsverträgen und eine verbesserte Versichertenversorgung stehen ebenfalls im Fokus der GKVen.
Seitens der Industrie werden bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um mit den Entscheidungsträgern der GKVen in Kontakt zu treten, so die Geschäftsführerin der health-activate Dr. Karen Focke-Hecht zur„Lübecker Studie“.
Vielfach reden die Vertreter der Industrie und der Krankenkassen auch aneinander vorbei, ermittelte die Studie. Die Mitarbeiter der Pharmafirmen bieten Informationen und Konzepte, die aber an dem Bedarf der Kassen vorbei gehen.
Das auch bei den Kassen nicht alles „rund läuft“ sind die Ausführungen der Rabattverträge der AOK. Hier meldete der Apothekerverband Rheinland-Pfalz ein Versorgungschaos bei den Apotheken, weil ein sehr großer Teil der Rabattarzneimittel nicht oder nur eingeschränkt lieferbar war. Besonders die ältere Generation fühlt sich durch die notwendigen Produktwechsel sehr verunsichert.
Es wird wirklich Zeit, dass sich Vertreter der Krankenkassen, der Pharmaindustrie, Vertreter der Selbsthilfegruppen, Ärztevertreter sowie Politiker mehr austauschen. Nur so werden sich die Probleme im Gesundheitswesen lösen lassen.
Nur durch neue Kooperationsmodelle zwischen allen Beteiligten im Gesundheitsbereich lassen sich mittelfristig die Herausforderungen in unserem Gesundheitswesen lösen, so ein Vertreter des Pharmainstitut mit Sitz in Biberach. Die „Lübecker Studie“ ist ein Anfang für eine längst überfällige offene Diskussion im Gesundheitssektor.
(Jürgen Bause, Redakteur)